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Kampagne „Ich-nehm-Dich-mit!“ in Dortmund angelaufen

Wir hatten in Dortmund mal ein Sozialticket zum Preis von 15 € im Monat, das gut angenommen wurde. Leider aber nur zwei Jahre lang, nämlich von Anfang 2008 bis Anfang 2010. Danach wurde es vom Rat der Stadt wieder eingestellt, angeblich, weil es zu große Löcher in den kommunalen Haushalt reiße. Die damals genannten Zahlen waren stark übertrieben, wie wenig später auch von den Stadtwerken indirekt eingestanden wurde. Aber das interessierte die Ratsmehrheit nicht mehr.

Mittlerweile gibt es hier in der Region für Erwerbslose und Geringverdienende nur noch Alibi-Angebote:
- das 30-Euro-Ticket des VRR (gilt allerdings nicht in Dortmund) und
- das - erst ab 9 Uhr gültige - „Un-Sozialticket“ der Stadt Dortmund, für 33,04 € im Monat.
Beide Monatskarten leiden, wie man neuhochdeutsch sagen würde, unter Akzeptanzproblemen. Warum? Weil diese „Angebote“ an den Bedürfnissen und Möglichkeiten einkommensschwacher Haushalte schlicht vorbeigehen. Und sie allenfalls einer kleinen Minderheit unter den Betroffenen, den sog. Vielfahrern, ein Stück finanzielle Entlastung bieten.

Möglicherweise hoffen die Verantwortlichen in den Stadträten und im VRR, dass wir jetzt, wo sie ja irgendwas unter der Bezeichnung „Sozialticket“ in die Welt gesetzt haben, endlich Ruhe geben. Diesen Gefallen werden wir ihnen aber nicht tun. Wir haben uns vielmehr entschlossen, zu anderen Mitteln zu greifen. Hier in Dortmund wie auch in vielen anderen VRR-Kommunen.

 

Fahrgemeinschaften als gemeinsame Antwort auf die unzureichenden Angebote von Stadt und Verkehrsverbund VRR

Seit Anfang Dezember letzten Jahres heißt es auch in Dortmund: Ich nehm' Dich mit auf meiner Monatskarte!

Unser Ziel ist, eine Mitnahme-Kampagne zugunsten einkommensschwacher MitbürgerInnen auf die Beine zu stellen. Anders als bei den Rote-Punkt-Aktionen in den 70er Jahren setzen wir dabei auf die Solidarität der Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Gemeinsames Erkennungszeichen ist ein kreisrunder ROTER BUTTON. Er dient gleichzeitig der Verständigung untereinander.

Unser Appell richtet sich vor allem an diejenigen, die im Besitz einer regulären Monatskarte sind, weil sie sich viel mit Bus und Bahn bewegen. Egal, ob Du berufstätig bist, Rentner oder Student: Wir möchten Dich dafür gewinnen, auf Deinem Ticket Menschen mitzunehmen, die sich aufgrund ihres geringen Einkommens keinen eigenen Fahrschein leisten können.

Wie soll das funktionieren? Jede(r) Besitzer(in) eines Ticket2000, Ticket1000, YoungTicketPLUS, Semester-, Firmen- oder Bärentickets ist nach den VRR-Regularien berechtigt, an Werktagen nach 19 Uhr - am Wochenende und an Feiertagen sogar ganztägig – eine oder mehrere Personen kostenlos mitzunehmen. Dabei ist es unerheblich, ob Du diese Personen schon länger kennst oder nicht.

Diesen Umstand will sich die Kampagne zunutze machen. Alle BesitzerInnen eines solchen Tickets werden aufgerufen, sich einen der – von uns verteilten – roten Buttons anzustecken.

Mit dem ROTEN BUTTON an meiner Jacke signalisiere ich:

  • Ich bin bereit, im Rahmen der genannten Zeiten eine 2. Person (plus ggfs. Kinder) auf meiner Karte mitnehmen!
  • Jeder Mensch hat ein Anrecht auf Teilhabe und Mobilität!
  • Ich halte nichts von einem "Sozialticket", das die meisten Armen ausschließt, weil es zu teuer ist. 15 Euro sind genug!

Das Ganze ist also eine Mischung aus Protest- und Selbsthilfe-Aktion. Sie soll so lange laufen, wie Politik und Verkehrsunternehmen nicht ihrer Verpflichtung gegenüber den Bürgern nachkommen und ein Sozialticket einführen, das diesen Namen wirklich verdient.

Zur Vorbereitung haben wir Tausende von Buttons besorgt und ein Netz an öffentlich zugänglichen Stellen in der Stadt geschaffen, an denen man/frau sich mit Materialien eindecken kann (s. Liste). Jetzt geht es darum, die Kampagne in der Stadt bekannt zu machen. Wir freuen uns daher ganz besonders über die Unterstützung des Dortmunder DGB und der Dortmunder ASten, denn das wird helfen, in kurzer Zeit eine Vielzahl von Menschen mit Monatskarte zu erreichen.

In einem handlichen Infoblatt wird alles noch mal etwas ausführlicher erklärt. Wir hoffen, dass es ansprechend genug ist, um viele Dortmunder und Dortmunderinnen zu aktiven Teilnahme zu bewegen.

Zeig Dich solidarisch!

Mach mit bei der Aktion - steck Dir den Button an!

Wo bekomme ich die Buttons?

Wer steht hinter der Kampagne, wer unterstützt sie?

Wer kann mitmachen, und zu welchen Zeiten?

Wie finden Mitfahrer und zur Mitnahme bereite Person (Karten-Inhaber) zueinander?

Die Kampagne wird von weiteren Aktionen zum Sozialticket begleitet. Entsprechende Ankündigungen und aktuelle Infos auf der Webseite des Sozialforums.

Die Kampagne läuft übrigens nicht nur in Dortmund, sondern gleichzeitig auch in vielen anderen Städten an Rhein und Ruhr. Wer Glück hat, findet beispielsweise auch in Oberhausen oder in Düsseldorf an der Haltestelle jemanden mit ROTEM BUTTON, der einen ein Stück mitnehmen kann.

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Foto C. Siekarski

Mobilität ein Luxusartikel?

Mobilität ist kein Luxusartikel, schon gar nicht in einem so reichen Land wie der Bundesrepublik. Solange Menschen - bedingt durch Niedriglohn, Erwerbslosigkeit oder zu knappen Renten - unter oder an der Armutsschwelle leben müssen, erwarten wir, dass auch ein vom VRR aufgelegtes „Sozialticket“ nicht hinter den Standards zurückbleibt, die während des Pilotversuches in Dortmund (2008 bis Anfang 2010) schon einmal gesetzt wurden.
Mehr als 15 Euro sind dafür nicht drin!